Malerwelten

23.01.2004

Eröffnungsausstellung in der Landesmusikakademie
Schloss Hallenburg in Schlitz

Sicher sagen Sie sich jetzt zu Recht, wieso steht hier jemand aus Schmalkalden in Thüringen und will uns etwas über Erika Helbich erzählen. Über unsere Erika Helbich.

Richtig, Sie kennen Sie schon viel länger und vielleicht auch viel besser. Ich stehe hier als „Opfer der Wende“. Gestehen muss ich, dass ich vor 14 Jahren den Ort Schlitz und Erika Helbich nicht kannte.
Wir hatten zwar auch schon zu DDR-Zeiten als Besonderheit in der Schmalkalder Kirche das evangelische Kirchengesangbuch von Kassel und sind kirchenrechtlich eine hessische Enklave in Thüringen, aber Schuld daran, dass ich hier stehe, sind Sie selber.
Denn die Hessen waren in unserem Schmalkalden die ersten, die uns Hilfe beim Aufbau der neuen Ordnung gegeben haben, und so habe ich über einen Lehrer von hier, nämlich Herrn Erich Bloch vom Landratsamt aus Läuterbach, auch Erika Helbich kennen lernen dürfen und daraus entstand eine Freundschaft. Und dem Erich Bloch bin ich sehr dankbar dafür.
Das vorab…

Mir ist es natürlich eine große Ehre gerade in diesem neuen Haus eine Ausstellung eröffnen zu dürfen, dazu noch die erste. Besonders freut es mich natürlich, dass Erika Helbich hier ausstellen kann und damit möchte ich zum Kern der Sache kommen.

Meine Damen und Herren, Pablo Picasso wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“.
Für mich trifft dieser Satz auf alle Sparten der Kunst zu. Wenn ich unseren heutigen Alltag betrachte, dann fällt es mir bereits schwer, nur von Staub zu sprechen - treffender wäre die Vokabel „Dreck“. Von den täglichen Nachrichten und Hiobsbotschaften möchte ich gar nicht sprechen, weder vom Terrorismus noch vom Verfall der Werte. Die Theater- und auch die Kunstszene spiegelt leider auch nur das Abbild einer kranken Gesellschaft wider. Was auf den Bühnen der deutschen Theater und in den Medien passiert, ist ein trauriges Bild einer verkommenen Gesellschaft, in der der Begriff „Verantwortung“ nicht mehr bekannt ist. Auch in der bildenden Kunst war und ist es opportuner stundenlang über einen Fettfleck zu debattieren, Bilder auf den Kopf zu stellen oder ganz und gar Blut und Gedärme von Tieren als letzten Schrei der Aktionskunst zu bezeichnen.

Sein wir doch ganz ehrlich, meine Damen und Herren, geht es uns nicht manchmal auch so - wir sind zu irgendeinem gesellschaftlichem Ereignis eingeladen und es wird „Kunst“ geboten. Verstehen tun wir absolut nichts davon, es spricht weder den Verstand noch das Herz an. Trotzdem klatschen wir am Ende auch aus Angst, uns sonst zu blamieren. Es ist die alte Geschichte von „des Kaisers neuen Kleidern“.

Hier haben Sie mit Erika Helbich eine Künstlerin, die den Mut hat - ich sage bewusst den Mut hat, diesem allgemeinen Trend etwas entgegenzusetzen und dem Veranstalter gratuliere ich dazu, die Bilder zu zeigen. Frau Erika Helbich malt so und nicht anders, nicht weil sie anders nicht malen könnte, sondern weil sie anders nicht malen will. Sie setzt auf Poesie statt auf Provokation. Klare Formen - Ästhetik gegen Aktionismus und seelenlose Leere. Und dazu gehört heute bereits wieder Mut, denn allzu leicht wird man da in die Ecke des Laienhaften, der Oberflächlichkeit, des Unvermögens gedrängt.
Erika Helbich sieht genauso wie wir alle die Probleme in unserer Zeit und leidet darunter - und auch sie sieht sich in der Verantwortung. Gerade deshalb porträtiert sie ihre Umwelt, die Landschaft und den Menschen, der sie umgibt, um zu mahnen und um zu zeigen, dass das alles erhalten bleiben muss. Glauben sie mir, nur ein musisch gebildeter Mensch kann auch der Gewalt in unserer Zeit etwas entgegensetzen.

Erika Helbich lässt sich bei ihrer Malerei gern auch neben der Natur von anderen verwandten Künsten inspirieren, wie z. B. der Literatur und vor allem der Musik. Selten war Musik mit der bildenden Kunst - sprich Malerei - so nah und eng verbunden, wie in den Bildern der Künstler. Ihre Bilder sind gemalte Töne. Klar und durchsichtig, wie Glasprismen geschliffen, die Gestaltung ihrer Balladen „Erlkönig“ und „Zauberlehrling“. Ich persönlich spüre förmlich die Musik des französischen Komponisten Paul Dukas zum „Zauberlehrling“. Tropfengleich perlen die Töne in ihre Bilder und aus den kubistischen Landschaften und Straßenmusikszenen wieder heraus in unser Ohr und in unsere Seele. Klarheit und Heiterkeit schwingt mit. Das Flötenspiel in ihren Bildern assoziiert das „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“ von Claude Debussy. Beim Anblick des Matterhorns erklingt die „Alpensinfonie“ von Richard Strauss. So ist ihre Malerei für mich Musik und Erika Helbichs Liebe zur Musik drückt sich in ihrer Malerei aus, spiegelt sie gleichsam wider.
Ich wünsche ihnen, liebe Gäste und Freunde Erika Helbichs, dass sie ebenfalls diese Wechselwirkung erkennen und Freude an diesem Wechselspiel haben.

Malerwelten - so der Titel der heutigen Ausstellung zeigt Bilder aus 3 Jahrzehnten - das heißt, 30 Jahre Freude am Erschaffen, Ringen um die Kunst, um die Wahrheit, sich wehren in irgendwelche Schubladen oder Schablonen gedrängt zu werden. Es heißt auch, sich seinen Weg zu suchen und sich die Hoffnung auf eine gute Welt nicht nehmen zu lassen. Wie ich anfangs sagte, mehr Poesie als Provokation.

Ich wünsche Ihnen und der Künstlerin viel Freude und anregende Gespräche mit und über diese Ausstellung.

 

Quelle: Herbert Frühbing zur Eröffnung der Ausstellung "Malerwelten"

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